Klavier: solistisch oder „sozial“ ?

Klavier: solistisch oder „sozial“ ?

A)) Solistisches Klavier
Im Normalfall nimmt der Klavierschüler bei einem Pianisten Unterricht und lernt
Tonleitern, Dreiklänge, Etüden und vor allem Präludien, Fugen, Sonaten , Polonaisen.
Manche begleiten auch Sänger oder einen Instrumentalisten, der ein Melodieinstrument spielt.
Sozialer Aspekt: Der „Pianist“ ist „viel allein“.

B)) Das Klavier als Begleitinstrument:
Manche kennen noch die Bezeichnung „Bierorgel“ für das begleitende Klavier: Studentenverbindungen hatten (und haben sporadisch noch) ihre „Commerz-Lieder“, für die sie eine adäquate Begleitung benötigen.
Genauso war es früher in den Volksschulen (den heutigen Grund- und Hauptschulen).
Deshalb bringt man auch heute noch die ältere Generation mit einer Klavierbegleitung rasch zum Singen: Die „Veteranen“ singen die Lieder, die sie in ihrer Jugend gelernt haben.
Diese Art zu musizieren (singen!) besitzt also eine soziale Funktion!

C) Folgerung:
Der Lehrer ist nicht als Pianist gefragt, sondern als Begleiter. Meist hat er keine Begleit-Noten zur Verfügung, er müsste also die Begleitung „erfinden“. Um diese Begleitung zu erstellen, sie dann noch dazu auswendig zu lernen und möglichst noch zu transponieren müsste er viel üben, am besten die „gefundenen“ Akkorde noch aufschreiben, in der Regel auch noch die Transpositionen. Nicht zu übersehen: Ohne eine gründliche musikalische Schulung von Kind an und eine ausgesprochene musikalische Begabung ist eine solche Aufgabe nicht zu schaffen. Die Folge: Der Lehrer kapituliert, Musik fällt aus (und scheinbar auch keinem auf!!)
Die sinnvolle Lösung:
1)) Der Lehrer arbeitet mit einer Notenvorlage
2)) Er benutzt ein E-Piano mit einer Transponiereinrichtung. Er kann demzufolge alle Lieder in C-Dur oder G-Dur spielen, mit der Transponiereinrichtung kommt er in jede gewünschte Tonart.
3)) Der Lehrer tastet sich langsam voran. Er wählt Lieder mit zwei oder drei verschiedenen Tönen, später dann Lieder mit einer Quint Umfang. Somit benötigt er am Anfang nicht den etwas komplizierten Lagenwechsel.

D) Maßnahmen:
1)) Man stellt ein E-Piano ins Klassenzimmer.
Preise 444 Euro, 659 Euro oder für höchste Ansprüche auch mehr (Auskünfte in jedem Musik-Fachgeschäft).
2)) Die Kosten lassen sich von der Steuer absetzen.
3)) Man erklärt den Kindern, dass man Anfänger ist. Sodann spielt man nur kurze Phrasen aus einfachen Liedern (Terz-Lieder, Quart-Lieder, Quint-Lieder) und singt diese als Vokalisen (geeignete Vokale; Stimmtechnik!).
4)) Anspruchsvoller wird die Angelegenheit bei den Stimmübungen. Da stößt man schnell auf das Problem des echten Transponierens!
5)) Weiter Schritt: Bassführung, Akkorde:
Wieder gilt: Mit kleinen Schritten zum Ziel.
Hat man von einem Lied, z.B. einem Quintlied wie „Bienchen summ..“ die Melodie mit der rechten Hand sicher drauf, baut man allmählich die zwei „harmonieschaffenden“ Basstöne (erste und fünfte Stufe) ein. Natürlich benötigt man für Lieder mit reicherer Harmonik weitere Basstöne: Deutschlandhymne, Die güldne Sonne, Bunt sind schon die Wälder, viele Kirchenlieder, einfache Kunstlieder großer Komponisten (Mendelssohn, Schubert, Brahms).
6)) „Volle“ Harmonie:
Die meisten Volkslieder klingen im dreistimmigen Satz am besten. Vierstimmigkeit wirkt gelegentlich „bleischwer“. Man spielt also Sopran und Alt mit der rechten Hand (meist genügen Terzen, gelegentlich kommen Sexten dazu). Beim Bass wird man allmählich zu den „Kadenztönen“ Stufe I, IV und V. Durchgangstöne hinzufügen. Hier sind auf jeden Fall „Begleit-Vorlagen“ angebracht.
Vom Autor dieser Zeilen gibt es ein einführendes Klavierwerk zum Selbststudium:
„Franz Brandl, Volksliedbegleitung – Leitfaden zum Selbststudium für Lehrer, Eltern und Erzieher; Eigenverlag; Tel. Bestellung: 089-883462; Preis 15 Euro.

Hinweis zu einer zwanglosen Kontaktaufnahme:
Das Amadeus-Institut bietet kostenloses Singen (mit elementarer Theorie und physiologischer Stimmbildung) an:
Pfarrsaal von Heilig-Geist, Prälat-Miller-Weg 3
Mittwoch von 17 – 18 Uhr : Mutter-Kind-Singen
Mittwoch von 18 – 19 Uhr : „Belcanto-Chor “ : Singen und Stimmbildung (chorische Stimmbildung mit Erklärungen!) für Lehrer aller Schulgattungen, Erzieher, Jugendliche, und Interessenten.
Keine Veranstaltungen an schulfreien Tagen.

Franz Brandl

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