Fußball und Singen

Pep!
Beckenbauer: „Hut ab!“
Josep „Pep“ Guardiola, der in den vergangenen Jahren den FC Barcelona „als Trainer in ungeahnte Dimensionen“ geführt hat, wird ab Sommer Chefcoach beim FC Bayern. Karl-Heinz Rumenigge jubelt: „Er wird nicht nur dem FC Bayern, sondern dem ganzen deutschen Fußball viel Glanz verleihen.“
Soweit der Fußball. Bei uns – dem Amadeus-Institut e.V. – geht es um Musik und vor allem um das Singen, genauer: um die Vermittlung des Singens an den Grundschulen:
Wer die Planungen und Arbeitsmethoden des Singens mit denen des Fußballs oder überhaupt mit denen des Sports vergleicht, wird erstaunlich viele Parallelen finden. Auf einen einfachen Nenner gebracht: Die „Musik“, d.h. die Schulung der Studenten für das Grundschul-Lehramt, könnte viel vom Fußball „lernen“! Tut sie aber nicht!
Lassen Sie mich das Prozedere umkehren:


Wissenschaftlicher Fußball ?

Guardiola wird also die Lehrpläne (für Fußball!) und die Trainingsmethoden vorgeben. Er wird sich sorgfältig an den in der Musik praktizierten Methoden orientieren. Natürlich muss jetzt alles neu oder besser, sprich „verwissenschaftlicht“, werden. Also wird jetzt Fußball eine wissenschaftliche Disziplin.
Als Erstes wird nun die Universität Fußball als neue Fakultät einführen. Franz Beckenbauer wird Ordinarius. Da er die Voraussetzungen Doktorat und Habilitation nicht mitbringt, wird er sich nachqualifizieren: eine übliche Gepflogenheit, vom Kultusministerium in der Regel abgesegnet.

Dann zur LPO I (Studienpläne):
Zunächst wird Englisch die Sprache des Fußballs. Der spanisch sprechende Trainer sowie Ribery, Thomas Müller und Kollegen freuen sich über die neuen Anforderungen!
Zum Training: Endlich wird die theoretische Schiene dieses Sports aufgewertet:
Die Fußballgrößen lernen jetzt Anatomie; relevante Techniken und Behandlungsmethoden auf dem medizinischen Sektor hinsichtlich Training und Verletzungen; Geschichte des Fußballs; Spiel-Analysen; Arbeitstechniken der prominentesten Trainer; Umgang mit dem Schiedsrichter, soziologische Aspekte dieser Sportart; Reaktionen auf Gewalt; Herstellungsmethoden und Normen für Ball, Schuhe, Dress und – besonders wichtig – die Präsentation in den Medien.
Die Praxis wird durch Medienkompetenz ersetzt: Täglich werden Filme historischer und aktueller Spiele studiert, diskutiert, analysiert, alles in Englisch!

Wann spielen dann unsere Fußballer tatsächlich noch Fußball?
Völlig klar : in den Wettspielen. Die Techniken haben sie sich perfekt durch ihre wissenschaftlichen Studien angeeignet. Das Einzige, was noch praxisrelevant erlernt werden muss, ist die Entgegennahme der Ovationen des Publikums und der Empfang des Siegerpokals oder auch die unvermeidlichen Reaktionen auf verlorene Spiele.
Enorm ist da auch der „Kollateral-Nutzen“: keine Muskelfaserrisse, keine Sehnen- und Gelenkschäden, kaum noch Arztkosten und – das Problem des Dopings erübrigt sich.

Also Musik ohne Theorie?  – Nein!

Ist das Ziel des Amadeus-Instituts lediglich die Praxis?
Nein!
Heute besitzen wir umfangreiche, wertvolle, sogar unverzichtbare wissenschaftliche Ergebnisse, denen sich die Nur-Theoretiker allerdings verweigern.
Kurz: es gibt eine nutzbringende, unverzichtbare Theorie und eine überflüssige absurde Theorie. Da Weizen von der Spreu zu trennen ist unser Anliegen.

Beispiel Stimmphysiologie:
Da gibt es viele Erkenntnisse und Erfahrungen; die der Lehrer braucht, jedoch nirgends lernt.
Wer versteht schon, wie der „Sington“ (physikalisch Stimm-Klang) entsteht? Wo und wie erfährt man etwas über die Feinmotorik der Stimmlippen? Wer kennt und versteht Begriffe wie: Primärspektrum, Sängerformant, Registerdivergenz? Wie arbeitet man mit Spektrogrammen und Sonagrammen?
Sodann kämen die Arbeitstechniken mit Vokalisen, der messa di voce,mit glissandis, Herstellung der Lagenbalance?
Wie man sieht: „Ein weites Feld“ und noch eine tabula rasa.

Liedervermittlung und Stimmtechnik mit engagierten „Pionieren“ neu beleben !

Es hat den Anschein, als würden die zuständigen Gremien die prekäre Situation gar nicht bemerken. Jedenfalls fehlen von staatlicher Seite Aktionen, das musikalische Vakuum mit Singen und Musik aufzufüllen. Man überlässt es Singschulen und ähnlichen Organisationen, die wenigen singfreudigen Menschen nach ihrer Schulzeit in Chören zu verorten. Somit wäre der engagierte Bürger aufgefordert, hier tätig zu werden. Es geht also hier um Idealismus und Courage, für die der Normalbürger kaum noch Energie und Zeit aufbringt.
Gefragt ist demnach eine Pilot-Gruppe, die die Aufgaben erkennt und sich ihnen stellt. Sie benötigt Moral, Engagement, Intelligenz, Kritik und Fleiß und schließlich – Theorie.

Um zum intelligenten Fußball zurückzukehren: Die Praxis gibt da Probleme vor, die teilweise der Theoretiker behandeln muss. Der Fußball kriegt das hin!

Zur Musik: nur Theorien zu lehren, die für die Praxis nutzlos sind, wird die Musik in den Grundschulen absterben lassen.Wir brauchen das Engagement kompetenter Pioniere, die Praxis und Theorie gekonnt verbinden können!

© Dr. Franz Brandl

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